Fluff and Cheese



And so the lion fell in love with the lamb


Ich war gerade in Breaking Dawn. Vorab: Dies soll keine Filmrezension werden, mir geht es um was ganz anderes. Ich fand den Film jedoch okay, er hatte seine Höhen und Tiefen, wurde zum Ende hin besser, gliedert sich gut in die Reihe ein, nur von Rob war ich echt enttäuscht. (Leider, leider.)

Ich habe mir den Film zusammen mit einer Freundin angesehen, die Twilight immer noch romantisch finden kann. Sie konnte absolut nicht verstehen, dass ich bei manchen Dialogen einfach nicht mehr hinhören konnte; dass der Kitsch bei mir teilweise Brechreiz ausgelöst hat und ich wie so mancher Kerl nur stöhnend die Augen verdreht habe. Aber ich bin inzwischen seit 2 Jahren und 11 Monaten im Twilight-Fandom aktiv. Twilight ist für mich kein Buch mehr, was ich ein oder zwei Mal gelesen habe und was mich immer noch zum Träumen bringt. So unfair das auch den wirklich großartigen Schriftwerken gegenüber sein mag, ist Twilight wohl das Buch, mit dem ich mich bisher am ausführlichsten beschäftigt habe.

In dem Fandom geht es um Fanfiktions. Egal ob AH oder AU, man beschäftigt sich mit den Charakteren, durchleuchtet sie und lernt, sie auf eine andere Weise zu sehen. Und wenn es nur dadurch ist, dass man sich beim FF-Schreiben gegen bestimmte Eigenschaften entscheidet und die Charaktere damit entfremdet. Ich bin inzwischen schon lange an dem Punkt, an dem mir Edward und Bella zum Hals raushängen, egal ob mit oder ohne Buchähnlichkeit. Die Charaktere kommen dir einfach irgendwann flach vor, da kann die kreativste Adaption nichts machen. (Und das wird dir wahrscheinlich auch mit jedem Werk so gehen.)

Und obwohl ich den Film heute nicht überragend fand, ist etwas passiert. Es gab unter anderem ein paar Szenen aus dem ersten Teil und da fühlte ich mich zurückerinnert. An meine Anfänge, an den Zauber. An die Zeit, als ich Bella noch für kein hohles Blödchen hielt und Edward noch mehr war, als ein ständig sich selbst bemitleidender Glitzervampir. An die Zeit, zu der ich jedem Kuss der beiden noch entgegen gefiebert habe und wo sie mir nicht nur noch zwanghaft inszeniert erschienen. Ich hab mich an den ersten Film erinnert und wie alles begonnen hatte.

Ich glaube, was den ersten Teil für mich so faszinierend gemacht hat, war das langsame Tempo. Es war der Zauber des ersten Verliebens, des Herantastens, der Unsicherheit … aber gleichzeitig auch der Hoffnung und des Muts. Irgendwie hab ich das im ersten Teil alles gespürt. Edward sah für mich nicht so aus, als müsste er ständig aufs Klo, sondern als würde er leiden; als würde er kämpfen. Und das war alles so romantisch. Es war so traumhaft schön, man konnte sich einfach in diese Welt flüchten. In die Vorstellung, dieser großen, ersten Liebe. Es hat in meinem Herzen gezogen und ich habe so gerne mit ihnen mitgelitten.

Da waren diese kleinen Dialoge, die man zitieren konnte und so gerne selbst geführt hätte. Da war die Welt der Schule, die einem selbst noch irgendwie vertraut war. Das Gefühl, irgendwie anders zu sein und dabei seinen eigenen Weg zu gehen, das man selber kannte oder von dem zumindest schon oft genug geträumt hatte. Und vor allem war da eben dieser feste Wille der ersten Liebe. Alle Hürden überwinden, über sich selbst hinauswachsen, Vertrauen in sich und den anderen … diese Kraft, die einem dieses Gefühl verleiht. Das bleibt etwas, was im ersten Band ganz wunderbar eingefangen wird. Es zählte der Moment, das Hier und Jetzt; es zählten nur Edward und Bella. Noch keine anderen Clans, keine Dreiecksgeschichte, kein Mutantenbaby und keine ständigen Selbstzweifel. Dadurch bekam das Buch etwas Magisches. Es war realitätsfern, denn es ging nicht um Zukunft.. Es ging nur um die erste Liebe.

Ich weiß nicht, ob die Filme schlechter wurden oder ich das Thema für mich anderweitig ausgereizt hatte (da ich mich mit den folgenden Filmen nicht mehr so beschäftigt habe, vermute ich letzteres), aber Fakt ist, dass dieser Zauber sich einfach in Rauch aufgelöst hat. Der Bogen war überspannt, die Liebe zwischen Edward und Bella hatte längst nichts idealistisches, traumhaftes mehr. Mittlerweile sah ich nur noch Plattitüden, Kitsch und Hype. Und sowas fand ich mal toll? Fremdscham put. Vielleicht hatte ich die Geschichte inzwischen zu sehr hinterfragt, vielleicht habe ich sie mir selbst kaputt gemacht.

Vielleicht lag für mich der Zauber aber auch einfach schon immer im Anfang. Vor 2 Jahren und 11 Monaten habe ich mich in Twilight verliebt und heute wurde ich an diese Liebe erinnert. Und das war schön, denn endlich weiß ich wieder, dass es dazu wirklich Gründe gab. Wenigstens für heute Abend ist es mir überhaupt nicht peinlich, jemals ein Twilight-Fan gewesen zu sein.

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Kommentare

  1. * Becka says:

    Ich stimme dir teilweise zu… die Magie ist weg, für mich aus 2 Gründen: der Hype. Hype macht immer ganz viel kaputt. Und irgendwo wurde die Geschichte immer mehr zum ~Alltag. Es ist ausgereizt.

    Andererseits tauche ich immer noch in die Welt rund um Forks ein, wenn ich die Bücher lese – und zwar in meine EIGENE Welt. Beim Lesen sieht Edward immer noch aus wie mein Kopf-Edward und nicht wie Rob und obwohl auch die Bücher nicht mehr ganz so aufregend und neu und magisch sind wie beim 1. und 2. Mal lesen, erinnert es einfach und bleibt damit IMMER etwas Besonderes.

    Ich bin nach wie vor Fan und bleibe es auch 🙂

    | Antwort Verfasst 7 years ago
    • * lachmaus says:

      Aww, das ist schön, dass du das noch kannst 🙂 Für mich ist es zum Teil echt schon richtig überreizt, dass mir wortwörtlich übel wird, weil ich es einfach satt bin. Ich hab ja einfach die Hoffnung, dass das alles wieder kommt, wenn ich die Bücher nur lange genug nicht lese 😉

      | Antwort Verfasst 7 years ago
  2. * witchmoonnight says:

    Hallo Lachmaus!

    Ach ne, was hast du das schön gesagt.

    Zitat: Vor 2 Jahren und 11 Monaten habe ich mich in Twilight verliebt und heute wurde ich an diese Liebe erinnert. Und das war schön, denn endlich weiß ich wieder, dass es dazu wirklich Gründe gab.

    süüüüß.

    Mir war es nie peinlich, das ich Twilight toll finde. Und ich denke das wird es auch niemals sein. Warum sollte ich mich für eine Geschichte schämen die ich mal toll fand?

    Ich stimme dir allerdings zu, dass vieles von Twilight total ausgelutscht und bis ins kleinste ausgereizt wurde. Wahrscheinlich gerade weil man sich ewig und drei Tage mit den Charakteren beschäftigt hat. Edward als Versager, Edward als Prinz Charming, Edward als Hafennutte, Edward als Superheld… Ich glaube das kann man unendlich fortsetzen. Genauso wie die unmöglichen Biss Titel. *lol*

    Dieses Kitschiege, total überzuckerte Verhalten von ihm ihr gegenüber, findet man allerdings in so vielen anderen Büchern auch. Jedes zweite Buch ist Klischee. In jedem Liebesroman findet man irgendetwas vergleichbares. Insofern ich fand es gab auch ne Menge tolle Storys aus dem Fandom.

    Außerdem so ein bissel Klischee ist doch auch mal ganz schön, oder?

    Mich reizt es allerdings nun auch nicht mehr so sehr, neue Storys über Edward und Bella zu finden. Aber ab und zu gucke ich schon nochmal.

    Ach ja und der Film, ich fand er hat gepasst. Ich fands toll. Ich fands großartig. Schön fand ich vor allem das man aus allen Filmen einen Auschnitt hatte.

    Und ich fand Robert toll. Vor allem als er sich am Morgen danach, vor Emotionen fast übergeben hat. Ich finde er sieht immer so aus, als wenn er nicht weiß wie er es rüberbringen soll. Und dann… dann kotzt er es einfach aus. Ich mag das. *lol*

    lg witch

    | Antwort Verfasst 7 years ago
    • * lachmaus says:

      Aww hey witch, das ist ja mal eine schöne Überraschung, hier einen Kommentar von dir zu lesen! Danke! 😀
      Naja, ich glaube, mir ist es deswegen inzwischen peinlich, weil ich die Bücher damals so kritiklos gelesen habe und Fan geworden bin, obwohl es ganz offensichtlich eigentlich eine Geschichte mit eher platten Charakteren und vorhersehbarer Handlung ist.
      Aber da muss ich dir auch zustimmen: Es gibt einfach total viele Bücher, die so sind. Aber in der Regel halte ich mich von denen ja eher fern – warum bin ich also bei Twilight drauf reingefallen? Es war ja nicht mal so, dass mir das zwar klar war, ich aber einfach großzügig drüber weggesehen habe – nein. Ich habe es gar nicht gesehen. Für mich war es zu der Zeit das wundervollste Buch. Und dass ich da so blind gewesen bin, ist mir peinlich. Weil klar, Klischee und Kitsch lese ich auch so ganz gerne, aber dann eben mit der offenkundigen Einstellung: So, jetzt mal wieder rein in die Zuckerwatte 😛
      Und haha was? Vor Emotionen übergeben? Hast du einen anderen Film gesehen als ich? Also bei mir hat er so mäßig ein und denselben Gesichtsausdruck gehabt. So like… always 😛

      | Antwort Verfasst 7 years ago


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